Es ist soweit: Die große Inflation hat schon begonnen

Als der Ökonom, Publizist und Degussa-Manager Markus Krall am Wochenende die Unternehmer, Selbständigen und Facharbeiter unter seinen Followern auf Facebook aufrief, sie sollten ihre persönlichen Erfahrungen und Eindrücke zu den fast sämtlichen Branchen explodierenden Rohstoffpreisen, zu Materialknappheit und Lieferengpässen, extrem langen Lieferzeiten und Rationierungen beim Einkauf von Produktionsmitteln mitteilen, hätte er wohl nicht mit dieser Resonanz gerechnet: In bislang weit über 400 Kommentaren findet sich die Befürchtung bestätigt, dass die Inflation und nächste Wirtschaftskrise bereits in vollem Gange ist.

Die Wahrnehmung der Experten, Sachverständigen und tagtäglich beruflich Zutunhabenden mit einer fatalen Entwicklung, die ernster sein dürfte als alles, was die Deutschen seit 1945 erlebt haben, ist dabei diametral verschieden von der unbedarften Sorglosigkeit der Medien und vom politischen Zweckoptimismus, die die ewige Sozialstaats- und Wohlfahrtsparty Deutschland als Modell für die Ewigkeit empfinden und fortgesetzt mit neuen Ansprüchen und Begehrlichkeiten verbinden: Noch mehr Staat, noch mehr Entwicklungs- und Aufbauhilfe fürs Ausland, noch mehr „Solidarität“, noch mehr leistungslose Bereicherung, noch mehr Flüchtlingsaufnahme und Problemmigration, noch mehr Ausgaben fürs Klima.

Das Beste, was man jenen zugutehalten könnte, die die Vorboten der Inflation verleugnen und sie als populistisches Schreckgespinst spinnerter Kakophoniker abtun, ist, dass sie es nicht besser wissen. Die andere Möglichkeit wäre, dass sie die Bevölkerung – so wie bei der Jahrhundertflut vergangene Woche – trotz vorliegender Alarmzeichen vorsätzlich nicht warnen; vermutlich weil sie selbst den „Big Crash“ nicht wahrhaben wollen, der mathematisch zwingend unter der Bilanz einer wahnwitzigen und unverantwortlichen Politik der EU-Kommission (bzw. im Inland bei der Bundesregierung seit vier Legislaturperioden) stehen muss.

Big Crash nur eine Frage der Zeit

In Kralls Community, die durchweg von Praktikern, Realisten und konkret im Arbeits- und Wirtschaftsleben stehenden Insidern mit konkreten Detailkenntnissen besetzt ist und kaum von abgehobenen akademischen Theoretikern, werden in nüchternen Worten unglaubliche Zustände beschrieben, die man eher in Entwicklungsländern als in Deutschland vermuten würde: Infrastrukturdefizite, von maroden Trinkwasserleitungen über ausfallbedrohte Stromnetze, fehlende Verkehrswege und eine erschreckende digitalen Unterversorgung bis hin zu Versorgungsmängeln im medizinischen Bereich (dort, wo es einmal nicht um Impfung und Corona geht). Aus Sicht des Auslands, vor allem Chinas (das immer noch „Entwicklungshilfe“ von uns bezieht)  ist Deutschland längst Dritte Welt:

(Screenshot:Twitter)

Hinzu kommen die durch Engpässe in China und steigende Rohstoffpreise weltwirtschaftlich bedingten Teuerungen und Lieferverzögerungen, die mit alarmierenden Preisanstiegen einhergehen: Kunststoffprodukte aus den USA, die seit April Monat für Monat um 6 bis 8 Prozent teurer wurden und bei denen die Lieferzeit inzwischen 70 statt zuvor acht Tagen beträgt. Holz für Dacharbeiten ist 15 bis 20 Prozent teurer, etliche Ziegel sind nicht mehr erhältlich. Viele Natursteine und Baumaterial sind nicht lieferbar. Verdoppelung der Stahlpreise alleine seit Januar. Ein normaler AV-Receiver für den Heimgebrauch kostet das Zehnfache wie im dem Dezember.

OSB-Platten in den Abmessungen 2500 x 625 x 25 mm  verteuerten sich innerhalb von zwei Wochen von einem Stückpreis zu 7,95 Euro auf satte € 29,95 pro Platte. Küchen-Elektrogeräte und Armaturen sind oft gar nicht mehr lieferbar. Viele Wohnmobile sind nicht erhältlich, weil den Produzenten wichtige Teile fehlen. In der Automobilindustrie mussten in den letzten Monaten immer wieder die Bänder stillstehen, weil Zuliefererprodukte nicht verfügbar waren. Etliche Kaminbauer können keine Aufträge mehr für dieses annehmen, weil sie nichts ausliefern können.

Eine Kette von Katastrophenmeldungen

All diese Berichte sind nur ein winziger, beispielhafter Bruchteil der Schilderungen, die auf Kralls Aufforderung hin eingingen – und täglich kommen neue Hiobsbotschaften dazu. Sie reflektieren eine Entwicklung, de sich auch statistisch nicht länger verleugnen lässt: So sind die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Juni 2021 deutlich gestiegen – und lagen um sagenhafte 8,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt. Dies war der höchste Anstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit fast 40 Jahren (!) – zuletzt gab es einen ähnlich hohen Anstieg im Januar 1982 (damals plus 8,9 Prozent) – allerdings als Folge der Teuerung durch die zweite Ölkrise.

Hauptverantwortlich für den Anstieg gegenüber Juni 2020 war die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei Energie. Vorleistungsgüter waren 12,7 Prozent teurer. Gegenüber Mai 2021 stiegen diese Preise um immerhin 1,8 Prozent. Besonders hoch fiel der Preisanstieg aus bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (plus n88,1 Prozent) und bei Nadelschnittholz (plus 84,6 Prozent), aber auch bei Betonstahl in Stäben (plus 62,3 Prozent). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 26,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 41,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat; Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 25,1 Prozent mehr. Hauptgründe für den starken Anstieg der Stahl- und Holzpreise waren die hohe Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen, bei den Stahlpreisen zusätzlich kräftige Preissteigerungen für Eisenerzimporte (plus 83,6 Prozent von Mai 2020 bis Mai 2021). Auch die Erzeugerpreise für chemische Grundstoffe wiesen ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat auf: 18,8 Prozent.

Fast schon realsozialistische Engpässe

Nur extrem wenige Vorleistungsgüter kosteten weniger als im Vorjahresmonat; etwa elektronische integrierte Schaltungen, die sich um 12,1 Prozent vergünstigten, oder Holzschnitzel. Dies fällt weder absolut noch relativ ins Gewicht. Extreme Explosionen gibt es hingegen auch vor allem da, wo der Staat die Preise durch eine fatale Steuer- und Klimapolitik mitbestimmt: im Energiesektor. So lagen die Energiepreise im Durchschnitt 16,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat stiegen sie um 2,2 Prozent.

Die Preise für Gebrauchsgüter waren „nur“, aber immerhin auch um 1,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor – und Investitionsgüter, wie beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge, im Schnitt ebenfalls rund 1,3 Prozent mehr, wobei es sich hier um erst um den Anfang einer bedrohlichen Spirale handeln dürfte. Die Preise für Verbrauchsgüter insgesamt waren um 1,5 Prozent höher als im Vorjahr und stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent, Nahrungsmittel waren 1,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Zu dieser galoppierenden Preisentwicklung kommt die destruktive Zeitbombe einer überhitzten, zukunftsvergessenen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die „mit Vollgas auf die Wand zurast“ und auf zwingende Inflation zusteuert. Tag für Tag pumpt sie neue Milliarden in die Märkte – nachdem die Nullzinspolitik längst keine Effekte mehr zeitigt. Allein letzte Woche waren 50 Milliarden Euro an frischem Geld da. Die Entwicklung:

(Quelle:ODE/EZB)

Die billionenschwere Aufblähung der Finanzmärkte durch virtuelles Geld, die die EZB allein in den vergangenen fünf Jahren zu verantworten hat, ist überhaupt erst die Voraussetzung für die Preissteigerungen und den Vertrauens- und Wertverlust von Fiat-Geld und Euro.

All dies lässt nur einen Schluss zu: Die Inflation ist längst kein Mythos mehr. Es will sie lediglich keiner wahrhaben – und vor allem durch die Massenablenkung Corona und die anstehende Bundestagswahl, aber in zunehmendem Maße auch durch Klima-Alarmismus, für den die Hochwasserkatastrophe wie gerufen kam. Die öffentliche Debatte wird derweil weiter dominiert von denen, denen immer noch „zu viel Markt, zu wenig Staat“ herrscht und die das „ökologische Primat“ des während der Lockdown-Regimes erprobten Great-Reset-Bevormundungswahns am liebsten direkt in Stein meißeln würden – und zwar im globalen Maßstab: Klima-Kids, Neo-Sozialisten und staatlich alimentierte Funktionäre, die unverhohlen autoritären Lenkungsgelüsten das Wort reden. Sie alle werden sich umschauen, wenn Konsum- und Reiseverzicht plötzlich keine freiwillige Lifestyleattitüden mehr sind, sondern bitterer erzwungener Ernst für Millionen Menschen. (DM)

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