Wie zermürbend es ist, ein Jahr mit „Querdenkern“ zu verbringen

Unser Autor versuchte, „Querdenker“ zu verstehen. Gründete einen Blog, besuchte Demos, sprach mit Aktivisten. Doch kann man die Bewegung überhaupt begreifen?

Es ist schon spät am Abend, als mir klar wird, dass es zu viel geworden ist. Draußen tobt der schwäbische Winter. Ich liege im Bett, der Kopf dröhnt vom Tag und der Schlaf will nicht kommen. Einige Stunden zuvor, am Reutlinger Marktplatz, habe ich einen Mann mit Trump-Mütze fotografiert, was ihm nicht besonders gefiel. Die Organisatoren der Demonstration sahen in der Mütze kein Problem, sehr wohl aber in mir. Das Foto solle ich löschen, mich hier nie wieder blicken lassen. „Wir wissen, wo Sie wohnen“, sagte man mir noch.

Inzwischen gehört das zur Routine. In den vergangenen Monaten habe ich auf eine fatale Weise begonnen, mich an den Hass zu gewöhnen. Ich wurde geschubst, beschimpft und mal mehr oder weniger glaubwürdig bedroht. Schlimmeres passierte zum Glück nie.

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