Wege zur Psychotherapie Teil 2

Mobbingkandidaten etwa werden fit gemacht für den alltäglichen Kampf am Arbeitsplatz bis hin zum Arbeitsplatzwechsel oder einer Gesprächsmoderation im Betrieb.  So soll ihre Situation entkrampft werden. Natürlich steht die langfristige Verbesserung im Vordergrund. Beziehungsprobleme werden analysiert, unter Umständen auch der Partner zu einem Paargespräch eingeladen.  Angstzustände sind zu erforschen, um die Ursachen dafür zu finden. In jeder Psychotherapie geht darum, den Depressionen auslösenden Faktor zu knacken, ihn zu erkennen –  auch für den Patienten, und geeignete Gegenwehr zu trainieren.  Oft werden in der Therapie auch Situationen gespielt, um Modelle zu entwickeln.

Mit 20 oder 25 Sitzungen ist es häufig nicht getan. Oft schließt sich eine zweite und dritte Periode an. Meist hat man zwei bis maximal drei Sitzungen pro Woche, am Ende vielleicht noch eine. Dann geht es aber vermehrt darum, eine Erfolgskontrolle zu starten. Manchmal kommt der Psychologe auch erst nach 30 oder 50 Terminen an den Patienten richtig ran. Auch in der Therapie gibt es ein Auf und Ab. Man ist nicht immer gleich gut drauf. So wie Depressionen mal heftiger und mal schwächer sind, ist der Verlauf auch in der Therapie.

Erst wenn der Patient gefestigt genug für den Alltag erscheint, ist er auch wieder voll arbeitsfähig. In stationären Therapien in entsprechenden Fachkliniken ist auch das Pflegepersonal so geschult, dass es therapeutisch unterstützend eingreift. Beispiel: Jemand, der Schwierigkeiten hat, mit einem Aufzug zu fahren, trainiert das dann mit einem Pfleger.  Man nennt das Stresstest. Der Patient wird kontrolliertem Stress ausgesetzt und kann abbrechen, wenn er es nicht mehr aushält. Mit solchen Portionen will man ihn an ein möglichst normales Alltagsleben wieder heranführen.  Oder diejenige, die sich nicht mehr in einen Supermarkt traut, geht mit der Krankenschwester ins Kaufhaus und besorgt Dinge des täglichen Lebens in Begleitung, bis der Patient am Ende ganz alleine losgeschickt wird. Solche praktischen Übungen kann sich ein Psychologe natürlich nicht leisten.  In eine Fachklinik kommen allerdings auch nur die schwereren Fälle.

Leider wird das Prinzip der Einzeltherapie in unserer Gesellschaft immer weniger von den Krankenkassen und Rentenversicherungen gefördert. Es macht auch Sinn. Unser modernes Leben basiert auf Gemeinschaft: am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, in Vereine und eigentlich überall. Insofern sollen Probleme und auch Depressionen in Gemeinschaft gelöst werden. Gruppentherapie steht im Vordergrund. In jeder Gruppe treffen wir auf einen Querschnitt der Gesellschaft.

Probleme, die im täglichen Zusammenleben auftreten, werden über kurz oder lang auch in der Gruppe passieren und gemeinsam zu lösen zu sein. Dafür ist als Moderator der Psychologe in der Gruppe. Er hat in der Regel rund zehn Patienten um sich herum. Er greift ein, wenn es zu heftig wird, er stößt die Teilnehmer auf Mechanismen und Lösungsansätze, bringt die Diskussion in Gang oder wirft ein Thema in die   Runde. Meist geht es um   aktuelle Befindlichkeiten. Da wir alle Individuen mit unserem eigenen Kopf und auch den eigenen Manieren, Verhaltensmustern und Reaktionen sind, wird man schnell in der Gruppe auf ein breites Spektrum, ja immer auch auf den gesellschaftlichen Querschnitt stoßen. Gruppe bedeutet immer auch Konflikte wie sie am Arbeitsplatz und im zwischenmenschlichen Zusammenleben passieren.

Aber Gruppe bedeutet leider auch, dass so mancher mit seinen Problemen verschlossen bleibt, weil er sie allenfalls seinem Therapeuten gegenüber mitteilen kann. Wer outet sich schon gern als Schwuler oder Lesbe in der Gruppe, mit der er vielleicht noch drei oder sechs Wochen lang zusammenleben muss?  Wer gibt in der Gruppe schon gerne zu, dass er gewalttätig ist und seine Frau oder Kinder geschlagen hat?

 

 

 

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