Viele junge und arbeitslose betroffen

Und noch drei erschreckende Fakten kommen hinzu:  Depressionen betreffen immer mehr jüngere Menschen, oder andersherum gesagt: Die Depressiven werden immer jünger. Und in unserer Gesellschaft wird der Zusammenhang zwischen Depression und Arbeitslosigkeit immer deutlicher. Denn entsprechende Fachkliniken haben immer öfter neben der Depression auch die Ursache Arbeitslosigkeit mit zu „behandeln“. Und drittens finden sich in Nervenkliniken immer häufiger Patienten mit Schulden wieder. Das ist ein Teufelskreis: arbeitslos, wohnungslos, jung, perspektivlos und Schulden – null Chancen für die Zukunft. Und dann ist die Depression nicht mehr weit entfernt. Eine gewisse Zwangsläufigkeit der Ereignisse trifft hier zu. Und häufig lassen dann Beziehungsprobleme nicht mehr lange auf sich warten.  Welche Beziehung oder Ehe hält das auch schon aus?

Im medizinischen Bereich, etwa wenn der Patient Übergewicht hat, unter Diabetes leidet, Bluthochdruck sowie einen gestörten Fettstoffwechsel hat, spricht man von einem metabolischen Syndrom, also einem Vielfachproblem, einem hoch toxischen, hoch vergifteten Zustand. Im übertragenen Sinne kann man das von der oben beschriebenen Klasse von Depressiven auch behaupten. Es ist einfach ein Teufelskreis.

Eine Depression wird oberflächlich und im allgemeinen Sprachgebrauch mit Niedergeschlagenheit beschrieben. Man ist nicht gut drauf, kann sich weder großartig freuen, noch richtig traurig sein. Irgendwie ist man abwesend von dieser Welt. Depressive grübeln und können sich schließlich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Man fühlt sich dumpf, hohl, leer und ist antriebsschwach dazu. Will man einen Depressiven aufmuntern, gelingt einem das nicht.  Depressive sind schwer ansprechbar. In schweren Fällen sind sie total lethargisch bis reizbar aggressiv. In diesem großen Spannungsbogen begegnen wir Depressionen.

Immer mehr Arbeitslose geraten in Depression. Oft steckt die ganze Existenz dahinter, der drohende Verlust des Hauses, die Ernährung der Familie. So finden sich immer mehr Arbeitslose beim Psychiater wieder. Und noch erschreckender ist, dass es immer mehr junge Menschen schon in Depression betrifft. Sie stehen gerade am Anfang ihres Lebens mit null Perspektive plötzlich. Keine Chance, und sie haben das Leben noch vor sich. Oft sind es auch Schulabbrecher, junge Menschen ohne qualifizierte Ausbildung, die durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Da wird man schon leicht depressiv, rutscht ab.

Erschreckend ist die Zahl gerade junger Menschen in Nervenkliniken. Man muss es aber auch deutlich sagen: Wenn man sie sieht, können sie oft auch nur wenig Chancen haben. Schon von ihrem Äußeren her sind sie voll auf Provokation aus. Bei ihnen entsteht ein schrecklicher Kreislauf: Häufig sind sie jung, haben ihre Schule abgebrochen, keine Ausbildung, flüchten in Drogen und Diebstahl und legen sich dann ein provozierendes Äußeres mit   Piercings, Tattoos, Ungepflegtheit, Bartwildwuchs und   Rastalocken zu.  Wer   will   so zu einem Vorstellungsgespräch gehen? Und wer nimmt dann auch noch so jemanden? Hier haben die Fachkliniken wirklich harte Arbeit zu leisten. Heutzutage sind sie aber auf solche Typen eingestellt. Das müssen sie auch, weil dieses    Klientel immer   häufiger anzutreffen ist.

Nervenkliniken   haben heutzutage ganze Abteilungen, die auf Berufsvorbereitung, Bewerbungstraining   und handwerkliche Arbeit ausgerichtet sind. Psychotherapie in Fachkliniken bedeutet immer mehr auch, Menschen wieder zu   einem normalen Arbeitsverhalten hinzuführen. Da gibt es Schreinereien, Schlossereien, Wäschereien und vieles mehr. Vor allem aber auch Computerarbeitsplätze, an denen erfolgreiche Bewerbung trainiert wird.  Psychotherapie bedeutet hier auch Wiedereingliederung in den   Arbeitsprozess – neben der Überwindung von Depression.

Auch zahlreiche behinderte Menschen gleiten in Depression ab. Sie können am normalen Arbeitsleben oft nicht mehr teilnehmen, weil sie einen Schlaganfall erlitten haben, im Rollstuhl sitzen oder eine Dauer- Depression sie so sehr behindert, dass sie nicht mehr voll arbeitsfähig sind. Hier hilft Psychotherapie, die Restarbeitskraft zu motivieren, damit sie zumindest sinnvoll in Teilzeit arbeiten können oder auf Behindertenarbeitsplätze vermittelt werden.

 

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