In die „Geschlossene?“ Tagesklinik? Betreutes Wohnen?

Man spricht oft abgekürzt von der „Geschlossenen“. Gemeint ist damit die geschlossene Abteilung einer Landesklinik, eines psychiatrischen Landeskrankenhauses oder einer Nervenklinik. Meist auf Zeit werden hier Patienten untergebracht, um sie entweder vor sich selbst oder sie vor anderen zu schützen.

I.d.R. geht eine solche Einweisung mit einem richterlichen Beschluss einher. Ein Vormundschaftsgericht entscheidet dann auf Zeit oder aber auch auf Dauer eine solche Einweisung. Meist hängst es vom Gutachten der Klinik ab, ob oder wann der Patient wieder frei oder offen betreut leben kann. Oft geht es auch darum, finanzielle Dinge zu regeln, beispielsweise zu verhindern, dass der Patient unnötig sein Geld verschleudert oder Verträge eingeht, die er gar nicht bezahlen kann. Manche Depressive starten nämlich in unsinnige Frustkäufe, haben 100 Paar Schuhe zu Hause stehen und entwickeln regelrecht Kaufsucht nach bestimmten Artikeln. So kann auch die Kleptomanie, die Klausucht, eine Komponente von Depressionen sein, vor die es die Patienten zu schützen gilt.  Es mussten schon Patienten einfach weggesperrt werden, weil sie sich um Haus und Hof brachten.

Sie hatten noch Kreditkarten und gingen damit völlig unverantwortlich um. Auch Spielsucht   kann   ein Auswurf von    unverarbeiteten Depressionen sein. Auch solche Kandidaten muss man letztendlich vor sich selbst schützen, indem man sie zunächst für Casinos und Spielbanken sowie Geldautomaten aller Art in ihrer Umgebung sperren lässt. Manchmal müssen sie aber, weil sie sehr trickreich arbeiten, auch erst einmal auf der geschlossenen Abteilung einer Fachklinik untergebracht werden. Manchmal werden Depressive auch nach einer Straftat zunächst mal auf Zeit weggesperrt, bis eine Entscheidung in der Hauptsache gefällt ist.

Auch Sexualstraftäter oder rechtskräftig verurteilte Sexualmörder werden weggesperrt, allerdings in spezielle forensische Kliniken, oft mit Sicherungsverwahrung.  Das sind Gefängniskliniken, aus denen entsprechend Verurteilte nie mehr freikommen. Sie werden hier zwar auch therapiert, aber meistens erfolglos beziehungsweise mit dem Ergebnis, dass ihre Bedrohung für die Allgemeinheit auf Lebenszeit bestehen bleibt.

Tagesklinik?

In der psychiatrischen Versorgung gibt es auch so genannte Tageskliniken. Tagsüber sind Depressive und andere – vor allem Patienten mit Angstphobie – in der Klinik und gestalten ihren Alltag im Übergang zum Normalleben unter professioneller Anleitung.  Nachts schlafen sie zu Hause. So soll der Wechsel von der rein stationären Akutversorgung erleichtert werden, bis ein völlig selbstbestimmtes Leben wieder alleine möglich ist. In Tagesklinik wird der Alltag wieder probiert. Man kocht gemeinsam, kauft ein und gestaltet den Tag, wird dabei von Psychologen betreut.

Betreutes Wohnen?

Es gibt leider auch Depressive, die es nicht mehr schaffen, wieder alleine ihren Alltag zu gestalten.  Insbesondere ist das bei älteren Patienten der Fall. Hier kommt oft auch eine Demenzerkrankung hinzu oder andere alterstypische psychologische Leiden. Solche Depressive bleiben zeitlebens in Betreuung. Meist wird hier auch per Vormundschaftsgericht eine Betreuung amtlich angeordnet.

Nervenkliniken haben heutzutage fast immer auch eine angeschlossene gerontologische Abteilung, in der alterspezifische Depressionen und andere psychische Erkrankungen behandelt werden. Oft werden Alte auch aggressiv, wenn sie erkennen, dass sie mehr und mehr vergessen oder ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen. Oder sie werden aufgrund ihrer altersbedingten Depressionen senil. Manchmal kommt auch hinzu, dass gerade Ältere nach einem Schlaganfall weitere Ausfälle wie Sprache und Artikulationsfähigkeit verlieren. Das macht sie unzufrieden und bisweilen ihrer Umgebung gegenüber ungerecht.

Depressive Alte können sich teils über gar nichts mehr freuen und sind nur noch nörgeln, wittern in allem den versteckten Feind und sind mitunter gar nicht mehr zu ertragen. Abgesehen von diesen Folgeerscheinungen altersbedingter (gerontologischer) psychischer Erkrankungen kommt hinzu, dass ihnen die Feinmotorik zunehmend verloren geht, sie ihren Alltag am Ende nicht mehr bewältigen oder aufgrund von Vergesslichkeit in gefährliche Situationen rutschen wie zum Beispiel in einen Wohnungsbrand infolge vergessener Herdplatten oder Heißwasserkocher.

Die stationäre Therapie versucht hier, den Rest an selbst bestimmtem Leben zu erhalten und wieder wach zu rufen, Feinmotorik zu üben, damit sich Altersdepressive beispielsweise noch selbst anziehen, waschen und versorgen können. Das ist mitunter bei „bockigen“ und nicht mitarbeitenden Patienten recht schwierig. Insbesondere steht hier oft die Frage im Raum, ob solche alterssenilen Depressiven nicht besser in einem Pflegeheim aufgehoben sind, weil die eigene Familie das nicht mehr schafft.  In entsprechenden Altenheimen weiß man damit umzugehen.

 

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