Akutversorgung – wie geht das?

Bei schweren Depressionen, die mit Selbstmordgedanken einhergehen, gibt es für jede Stadt oder jeden Landkreis eine Akutversorgung, meist in Landeskrankenhäusern. Das klingt zunächst einmal schrecklich, ist aber eine hilfreiche Einrichtung.

Akutkliniken nehmen selbstmordgefährdete Depressive sofort auf, in der Regel in eine geschlossene Abteilung. Das heißt, man ist erst mal mindestens für eine Nacht weggesperrt. Die Abteilung ist verschlossen, und man kommt nicht raus. Ist man freiwillig drin, was man zuvor unterschreiben muss, etwa um sich vor sich selbst zu schützen, kann man natürlich auf eigenes Verlangen auch wieder raus. Normalerweise verlässt man die „Geschlossene“ nach der ersten Stabilisierung wieder und wird auf eine Normalabteilung stationär verlegt.

Die geschlossene Abteilung kann aber so weit gehen, dass man sogar ans Bett gefesselt wird. „Fixierung“ nennt man das im Sprachgebrauch. Das passiert, wenn sich Depressive die Pulsadern aufschneiden, mit spitzen Gegenständen selbst verletzen, bei Randalieren oder Gewalttätigen. Oft landen hier auch solche Patienten, die unter Alkoholkonsum andere verletzt haben oder ganz allgemein gesprochen „außer Kontrolle“ geraten sind.  Es gibt ja Wahnpatienten, die auf andere losgehen oder sich plötzlich als Messias oder Kaiser von China sehen und völlig „durchdrehen“.

Oft ist hier auch die Entscheidung: Knast oder Klinik? Wer im Suff randaliert und andere mit dem Messer bedroht, wird als Psychopath eingestuft. Er kann in die Ausnüchterungszelle der Polizei oder in die geschlossene Abteilung einer Nervenklinik eingeliefert werden. Oft fahren Einsatzwagen der Polizei bei solchen Fachkliniken vor. Oder wenn es um häusliche Gewalt geht, muss der Angreifer erst einmal weggesperrt werden. Meist steckt eine unverarbeitete Depression dahinter.

Deshalb werden solche Betroffene anschließend psychotherapeutisch behandelt. Drogenabhängige, die mit der Nadel in der Vene angetroffen werden, brauchen ein Spezialkrankenhaus. Sie landen erst einmal in der Nervenklinik, die natürlich auch eine Abteilung für Drogenabhängige hat.  Wer in die „Geschlossene“ kommt, wird vom Grund auf erst mal gefilzt. Auch Tablettensüchtige, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Alle Taschen werden ausgepackt, um nach versteckten Drogen oder Tabletten zu suchen.

Übrigens, eine Folge von Depression ist auch Tablettensucht, etwa nach Schlaftabletten oder Drogenersatz – oder umgekehrt:

Tablettensucht treibt in die Depression. Alles hat seine Ursachen.

 

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